Interview in der Rhein-Zeitung vom 25.09.2025
Der ungewöhnliche Weg des Pierre Fischer
Mainz/Waldbreitbach. Pierre Fischer (CDU) ist seit Anfang April Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags. Der 29-Jährige aus Waldbreitbach hat das Mandat im Wahlkreis Linz am Rhein/Rengsdorf von Ellen Demuth übernommen, die im Februar in den Bundestagwahl gewählt worden war. Bis zur Landtagswahl am 22. März 2026 bleibt Fischer dem Parlament allerdings nicht erhalten: Schon zum 1. Januar 2026 tritt er sein Amt als Bürgermeister der VG Rengsdorf-Waldbreitbach an. Über seine Anfangszeit in Mainz spricht Fischer nun im Interview mit unserer Zeitung.
Herr Fischer, Sie haben vor wenigen Wochen die Nachfolge von Ellen Demuth angetreten, einem langjährigen Landtagsmitglied. Hat sie Ihnen ein paar Ratschläge gegeben, um in Mainz anzukommen?
Wir befinden uns im stetigen Austausch. Das ist unter Abgeordnetenkollegen ganz normal. Sie hat mir den einen oder anderen wertvollen Tipp gegeben und mich über Besonderheiten des Wahlkreises informiert. Ich profitiere auch von der Zeit, als ich der persönliche Referent von Christian Baldauf in Mainz war. Die parlamentarischen Abende sind etwas Nettes und Produktives zugleich. Dort kommt man auch mal in den Austausch mit Mitgliedern anderer Fraktionen. Da ist man sehr freundschaftlich unterwegs. Viele haben großes Interesse daran, mit mir zu reden, da ich einer der jüngsten hauptamtlichen Bürgermeister Deutschlands sein werde und einen eher unüblichen Weg eingeschlagen habe: Ich sitze erst im Landtag und scheide dann freiwillig aus, um das Bürgermeisteramt zu übernehmen. Häufig ist es genau umgekehrt.
Wie oft sind Sie in der Landeshauptstadt?
In normalen Wochen bin ich immer mittwochs in Mainz, denn dann tagt die CDU-Landtagsfraktion. Als Mitglied des Petitionsausschusses und des Ausschusses für Digitalisierung, digitale Infrastruktur und Medien gibt es außerdem noch einmal im Monat jeweils eine Sitzung. Für Plenarsitzungen, die einmal im Monat stattfinden, bin ich zwei bis drei Tage dort.
Haben Sie sich in Mainz für die paar Monate eine Wohnung geholt?
Nein. In Mainz gibt es ein Abgeordnetenhaus. Dort haben alle 101 Landtagsmitglieder ihr Büro, was über eine Küchenzeile, ein Badezimmer und ein Klappbett verfügt. Das ist vollkommen ausreichend.
Sie kennen die parlamentarische Arbeit ja bereits als Zweiter Kreisbeigeordneter unter anderem aus dem Neuwieder Kreistag. Doch inwieweit unterscheidet sich diese vom Landtag?
Da der Landtag ein gesetzgebendes Parlament ist, finden ganz andere Vorberatungen statt. Die Ausschüsse haben eine ganz andere Bedeutung als auf kommunaler Ebene. Dort wird die Arbeit gemacht. Es werden Gesetzesentwürfe erarbeitet. Außerdem werden hier kritische Fragen an die Ministerien gestellt, beispielsweise zum Online-Zugangsgesetz.
Derzeit sind Sie noch der Erste Beigeordnete der VG Rengsdorf-Waldbreitbach und treten zum Jahreswechsel in die Fußstapfen von Bürgermeister Hans-Werner Breithausen. Hätten Sie sich jedoch grundsätzlich vorstellen können, noch länger Landtagsmitglied bleiben zu wollen?
Mir macht es sehr viel Spaß in Mainz, aber ich habe mich bewusst im vergangenen Jahr dazu entschieden, als VG-Bürgermeister zu kandidieren. Ich möchte operativ arbeiten. Ich kann als Bürgermeister Mitarbeiter führen, die Verwaltung zielführend, mitarbeiter- und bürgerfreundlich umbauen und Dinge direkt vor Ort voranbringen. In Mainz habe ich schnell festgestellt: Als Landtagsmitglied in der Opposition arbeitet man viel für den Papierkorb – das ist leider die nüchterne Realität. Da kann man den besten Vorschlag machen, die Regierung wird diesen aus parteipolitischen Gründen ablehnen. Das ist in der Kommunalpolitik anders: Hier geht es zumeist um die Sache und um gute Ideen – egal wer sie hat.
Welche Ziele haben Sie sich gesetzt für diese kurze Zeit im Landtag?
Ich habe immer gesagt: Wenn ich für neun Monate in den Landtag gehe, mache ich das zu 100 Prozent. Dinge, die ich voranbringen will, sind Bürger- und Unternehmensanliegen. Hier erreichen mich viele Zuschriften, um beispielsweise kleine Anfragen zu stellen. Ich kümmere mich intensiv um meinen Wahlkreis. Ich nehme auch am Wochenende sehr viele Termine in meinem Wahlkreis wahr.
Glauben Sie, dass es im nächsten Jahr einen Regierungswechsel in Mainz geben wird?
Ich bin fest davon überzeugt, dass es zu einem Regierungswechsel kommen wird. Es ist dringend an der Zeit, denn die Landesregierung lässt seit vielen Jahren die Kommunen ziemlich im Regen stehen. Die Kommunen sind ohne, dass sie etwas dafür können, hochverschuldet, denn sie bekommen immer wieder neue Pflicht-Aufgaben aufgeschultert. Sie können ihren Verpflichtungen zur notwendigen und vorausschauenden Gestaltung vor Ort nicht mehr gerecht werden, weil es überhaupt keine finanziellen Spielräume mehr gibt. Wir brauchen einen Politikwechsel, bei dem die Kommunen und Menschen wieder in den Blick genommen werden. Dafür ist Gordon Schnieder, der absolut richtige Mann. Er kommt selbst aus der Kommunalpolitik und weiß daher, wie es geht. Die Kommunen sind die Basis der Demokratie.
Was halten Sie denn von den beiden Landtagskandidaten, die die CDU in den Wahlkreisen Neuwied und Linz am/Rengsdorf 2026 ins Rennen schickt?
Jan Petry für Neuwied und Jürgen Schmied in meinem Wahlkreis sind tolle Kandidaten, mit denen ich politisch und freundschaftlich verbunden bin. Beide werde ich intensiv im Wahlkampf unterstützen, da es mir wichtig ist, dass unsere Region gut in Mainz vertreten ist.
Wer übernimmt das Mandat während der Übergangszeit vom 1. Januar 2026 bis zur Landtagswahl?
Nach meinem Ausscheiden aus dem Landtag zum 31.12.2025 wird der nächste Kandidat auf der Landesliste für mich in den Landtag nachrücken. In meinem Fall wird es Janick Pape (Wahlkreis Bad Marienberg/Westerburg) sein.
Inwieweit befinden Sie sich bereits in der Einarbeitung für Ihr Bürgermeisteramt?
Ich bin ja bereits Vertreter des VG-Bürgermeisters, daher haben wir einen sehr regen Austausch. Er hat auch bereits ein erstes Projekt an mich abgegeben: die Verbandsgemeindetage im nächsten Jahr. Zusammen mit Verwaltungsmitarbeitern und dem Wirtschaftsforum werden wir das organisieren. Die eigentliche Übergabe steht erst Ende des Jahres an.
Das Gespräch führte Daniel Dresen